Als Eigentümer einer geeigneten Fläche fragen Sie sich vermutlich, welcher Pachtzins für Ihr Revier marktüblich ist. Die Spannen reichen von wenigen Euro je Hektar in dünn besiedelten Regionen bis weit über 100 Euro in nachgefragten Lagen. Wir zeigen Ihnen, wie die Preise zustande kommen, welche rechtlichen Rahmen Sie kennen sollten und mit welchen Erträgen Sie realistisch planen können.
Der rechtliche Rahmen: Was das Bundesjagdgesetz vorgibt
Bevor wir über Preise sprechen, lohnt ein Blick in das Bundesjagdgesetz. Der Gesetzgeber hat klare Vorgaben formuliert, die jeden Pachtvertrag prägen. Sie als Verpächter sollten diese Eckpunkte kennen, denn sie bestimmen, wer überhaupt verpachten darf und wie lange ein Vertrag laufen muss.
§§ 7 und 11 BJagdG: Die wichtigsten Eckpfeiler
§ 7 BJagdG – Eigenjagdbezirk: Eine zusammenhängende land-, forst- oder fischereiwirtschaftlich nutzbare Fläche bildet erst ab 75 Hektar in einer Hand einen Eigenjagdbezirk. Unterhalb dieser Schwelle gehören Ihre Flächen automatisch zum gemeinschaftlichen Jagdbezirk der Gemeinde und werden von der Jagdgenossenschaft verpachtet.
§ 11 BJagdG – Pachtdauer und Höchstfläche: Die Mindestpachtdauer beträgt neun Jahre für Niederwildreviere und zwölf Jahre für Hochwildreviere. Ein einzelner Pächter darf zudem nicht mehr als 1.000 Hektar Jagdfläche in einer Person vereinen.
Geregelt im BJagdG sowie den jeweiligen Landesjagdgesetzen.
Hieraus ergibt sich automatisch die Frage, wie sich der Pachtzins in der Praxis bemisst. Die Antwort liegt nicht in einer einheitlichen Formel, sondern in einem Bündel aus Lage, Wildbestand, Infrastruktur und Marktdynamik.
Jagdpachtpreise im Überblick: Was zahlt der Markt?
Die durchschnittlichen Pachtzinsen in Deutschland bewegen sich für die meisten Reviere in einem klar abgrenzbaren Korridor. Erhebungen des Deutschen Jagdportals sowie des Deutschen Jagdverbands (DJV) zeigen für die Jahre 2024 bis 2026 ein stabiles Bild.
Pachtzinsen 2024 bis 2026
Was Verpächter realistisch erwarten dürfen
Indikative Werte nach Deutschem Jagdportal und DJV
pro Hektar und Jahr
in Spitzenlagen über 100 € pro Hektar
Im typischen ländlichen Revier liegen die Pachtzinsen zwischen 20 und 70 Euro pro Hektar und Jahr. Reviere in ballungsraumnaher Lage oder mit ausgezeichnetem Wildbestand erreichen regelmäßig über 100 Euro pro Hektar. Regional zeichnen sich erkennbare Muster ab: Bayern und Niedersachsen liegen mit rund 28 bis 30 Euro pro Hektar etwas über dem Bundesschnitt, Schleswig-Holstein folgt mit knapp 25 Euro, Sachsen-Anhalt und Brandenburg bewegen sich zwischen 20 und 22 Euro. Wer Spitzenlagen rund um Großstädte oder besonders wildreiche Mittelgebirgsregionen verpachtet, kann je nach Nachfrage deutlich darüber hinaus liegen.
Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die Größenordnung: Ein Niederwildrevier von 250 Hektar in Nordrhein-Westfalen mit einem marktüblichen Pachtzins von 35 Euro pro Hektar erbringt einen jährlichen Bruttoertrag von 8.750 Euro. Bei einer gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpachtdauer von neun Jahren entspricht das einer planbaren Einnahme von rund 78.750 Euro über die Laufzeit. Ein Hochwildrevier von 500 Hektar in Bayern mit 45 Euro pro Hektar kommt jährlich auf 22.500 Euro und über die zwölfjährige Mindestlaufzeit auf 270.000 Euro.
Welche Faktoren den Pachtzins bestimmen
Die Bandbreite zwischen 20 und über 100 Euro pro Hektar erklärt sich aus vier Hebeln, die in jedem Pachtvertrag mitverhandelt werden. Wer als Verpächter den realistischen Marktwert seines Reviers einschätzen möchte, sollte diese Faktoren strukturiert prüfen.
Wildbestand und Bejagungsqualität
Qualität und Quantität des vorhandenen Wildes sind der wichtigste Werttreiber. Ein gepflegter Bestand an Rehwild, Schwarzwild oder Niederwild erhöht den Pachtzins spürbar. Reviere mit historisch dokumentierten Strecken erzielen die höchsten Preise.
Lage und Erreichbarkeit
Reviere in der Nähe von Ballungszentren sind besonders gefragt. Eine Anfahrt unter 60 Minuten aus Köln, München oder Hamburg rechtfertigt regelmäßig Aufschläge von 50 Prozent und mehr gegenüber abgelegenen Lagen.
Infrastruktur und Ausstattung
Hochsitze in gepflegtem Zustand, gut ausgebaute Pirschwege, ein zugängliches Wegenetz und vorhandene Jagdhütten senken den Investitionsbedarf des Pächters. Diese Vorleistung schlägt sich direkt im Pachtzins nieder.
Biotop und Hege-Aufwand
Strukturreiche Reviere mit Mischwald, Feldgehölzen, Wasserflächen und naturnahen Säumen bieten attraktive Lebensräume. Reviere, die einen geringen Hege-Aufwand erfordern, sind als Pachtobjekt besonders begehrt.
Hinzu kommen rechtliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen: Strenge landesspezifische Abschusspläne, Wildschadensregelungen und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit potenzieller Pächter beeinflussen den Marktpreis ebenfalls. In Regionen mit hohem Schwarzwild-Vorkommen und entsprechendem Wildschadens-Risiko sehen wir aktuell eine moderate Preiskorrektur nach unten – die Hege-Verantwortung ist hier ein realer Kostenfaktor.
Was Sie als Verpächter konkret tun können
Den marktgerechten Pachtzins ermitteln Sie am verlässlichsten in drei Schritten. Erstens dokumentieren Sie die Bejagungsgeschichte der letzten fünf bis zehn Jahre: Strecken, Wildbestand, durchgeführte Hege-Maßnahmen. Zweitens holen Sie Vergleichsangebote aus Ihrer Region ein – die Landesjagdverbände und örtlichen Hegeringe sind hier eine seriöse Auskunft. Drittens lassen Sie einen Pachtvertrag entwerfen, der die gesetzlichen Vorgaben des § 11 BJagdG einhält und Wildschadensregelung, Hege-Pflichten sowie Sonderzahlungen sauber abbildet.
Wenn Ihre Fläche neben der jagdlichen Nutzung auch ökologisches Aufwertungspotenzial bietet, lohnt ein Blick auf die Eingriffsregelung nach § 15 BNatSchG. Reviere mit extensiven Grünlandflächen, Brachen oder strukturreichen Säumen lassen sich häufig parallel als Ökopunkte-Fläche entwickeln – ohne den jagdlichen Wert zu mindern.
Fazit: Preise verstehen, fundiert verpachten
Die Jagdpacht ist für Sie als Eigentümer eine planbare Einnahmequelle – wenn Sie die rechtlichen Vorgaben und Marktparameter kennen. Mindestpachtdauer, 75-Hektar-Schwelle und 1.000-Hektar-Cap sind die gesetzlichen Eckpunkte; Wildbestand, Lage und Infrastruktur die wesentlichen Preisfaktoren. Eine Spanne von 20 bis 70 Euro pro Hektar und Jahr ist für die meisten Reviere realistisch, Spitzenlagen erzielen darüber hinaus.
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